SO SIEHT PALLIATIVE CARE IN ANDEREN LÄNDERN AUS
Verfasst von palliativpflege am 3. Juli 2009
In einigen Ländern gibt es staatliche Initiativen zur Förderung der Palliative Care. Untenstehend sind die fortschrittlichsten Beispiele aufgelistet.
Palliative Care in der EU
Die Parlamentarische Versammlung des Europarates hat am 28. Januar 2009 einstimmig eine Resolution zur Palliative Care gutgeheissen. Diese Resolution ist Teil des Berichts «Palliative Care: Modell einer in-novativen Gesundheits- und Sozialpolitik» von Wolfgang Wodarg. Der Bericht macht deutlich, dass die Entwicklung von Palliative Care in allen europäischen Ländern nötig ist, damit sie für alle Menschen mit lebensbedrohenden Krankheiten zur Verfügung steht. Mit der Zustimmung zur Resolution empfiehlt die Parlamentarische Versammlung den Mitgliedstaaten ausdrücklich, ein schlüssiges und nachvollziehbares gesundheitspolitisches Konzept für Palliative Care zu entwickeln. Palliative Care soll als wesentliche Säule der medizinischen Versorgung sichtbar und damit für Patienten einforderbar gemacht werden.
England
Die englische Regierung hat eine Reihe von Initiativen gestartet, um die Betreuung von Menschen in der letzten Lebensphase zu verbessern. Eine davon ist die Erarbeitung einer «End of Life Care Strategy», die 2008 verabschiedet wurde. Ziel ist es, eine qualitativ hochstehende Betreuung für Menschen am Lebensende zu fördern. Die Menschen sollen wählen können, wo sie leben und sterben möchten. Die Strategie wurde im Laufe eines Jahres von einem Beratungsgremium und sechs Arbeitsgruppen sowie mit Hilfe von über 300 konsultierten Stakeholdern entwickelt. Die Umsetzung der Strategie wird von einem nationalen «End of Life Care Programme» unterstützt.
Spanien / Katalonien
Im Jahr 2000 verabschiedete das spanische Gesundheitsministerium einen nationalen Plan für die Palliati-ve Care-Versorgung. Die Umsetzung obliegt den regionalen Gesundheitsbehörden. Deshalb ist die Ent-wicklung in den 15 Regionen unterschiedlich. Sehr weit fortgeschritten ist die Palliative Care-Versorgung in der Region Katalonien: 1989 wurde hier ein WHO-Modell zur Förderung der Palliative Care eingeführt. Heute deckt das Angebot an Palliative Care-Leistungen in Katalonien 95% der Bedürfnisse ab. Die jährli-chen Kosten dieses spezialisierten Palliative Care-Netzwerks belaufen sich auf rund 40 Millionen Euro. Gemäss Studien werden aber auf Grund der veränderten Inanspruchnahme von Akut- und Notfallbetten jährlich 8 Millionen Euro gespart.
Deutschland
In Deutschland wird vor allem eine Verbesserung der ambulanten Versorgung angestrebt. Seit dem 1. April 2007 haben die Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung einen eigenständigen Anspruch auf eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung. Dabei handelt es sich um ärztliche und pflegerische Leistungen, die von so genannten Palliative Care Teams erbracht werden. Darüber hinausgehende Begleitleistungen (zum Beispiel Sterbebegleitung und Begleitung der Angehörigen) gehören nicht zum Leistungsanspruch. Er steht nur Palliativpatientinnen und -patienten zu, die einen besonderen Versorgungsbedarf aufweisen und dennoch ambulant versorgt werden könnten.
Norwegen
Von 1999 bis 2003 setzte die norwegische Regierung zwischen sieben und acht Millionen US-Dollar zur Entwicklung der Palliative Care in allen fünf Gesundheitsregionen ein. Nach dieser Zeit verfügten alle Re-gionen über eine permanente Grundversorgung in Palliative Care. Gleichzeitig baute die Regierung die Qualitätskontrolle und die Vernetzung zwischen den Regionen aus. 2004 erfolgte die Veröffentlichung eines nationalen «Standard for Palliative Care», initiiert von der norwegischen Vereinigung für Palliativme-dizin. Seit 2006 haben die meisten mittleren und grossen norwegischen Spitäler ein eigenes Palliative Care-Programm.
Belgien
2002 wurde in Belgien ein Gesetz über Palliative Care verabschiedet. Darin ist das Recht auf Palliative Care (gleicher Zugang für alle) gesetzlich verankert. Das Gesetz enthält ausserdem eine Reihe von Massnahmen zur Verbesserung des Angebots: zum Beispiel jährliche Berichte der Sozial- und Gesundheitsminister über die Fortschritte, Massnahmen für das medizinische Personal (mobile Palliative Care Teams, Supervision, entsprechende Strukturen) oder die regelmässige Evaluation der Bedürfnisse in der Palliative Care durch eine eigens eingesetzte Evaluationsstelle.
Holland
In Holland ist Palliative Care ein Bestandteil der regulären Gesundheitsversorgung. Der Lead kommt von der öffentlichen Verwaltung. Der Fokus liegt eher auf allgemeiner als auf spezifischer Pflege. Palliative Care soll so weit wie möglich von Ärztinnen und Ärzten, von Pflegepersonal und Sozialarbeitenden angeboten werden. Damit können der Zugang zu und die Verfügbarkeit von Palliative Care für möglichst viele Menschen gewährleistet werden. Bereits Mitte der 90er Jahre wurde ein «Stimulations-Programm» initiiert, um die Forschung, die Ausbildung und die Verbreitung von Palliative Care zu fördern.
Kanada
Kanada hat innerhalb von fünf Jahren (2002 bis 2007) eine nationale «End-of-Life Care»-Strategie entwickelt. Als ersten Schritt lancierte das staatliche Gesundheitsdepartement 2001 das «Health Canada’s Secretariat on Palliative and End-of-Life Care». Dieses Sekretariat fördert die Zusammenarbeit von Fachleuten und sensibilisiert für die Notwendigkeit von qualitativ hochstehender End-of-Life Care. 2002 veranstaltete das Sekretariat einen Planungsworkshop. Resultat war die Etablierung von fünf Arbeitsgruppen zu den Themen Best Practice, Aus- und Weiterbildung, Information und Sensibilisierung der Öffentlichkeit, Forschung und Qualität. Zwischen 2002 und 2007 haben diese Arbeitsgruppen eine Vielzahl von Projekten realisiert.
Australien
Die australische Regierung hat ein nationales Palliative Care Programm lanciert. Ziel ist es, den Zugang zu und die Qualität von Palliative Care zu verbessern. Mit dem Programm werden drei Bereiche finanziell unterstützt:
•«Palliative Care in the Community»: Verbesserung des Standards von Palliative Care in den Gemeinden
•«Australian Health Care Agreements»: Unterstützung einzelner Staaten und Territorien sowie der australischen Regierung für nationale Initiativen
•«Local Palliative Care Grants»: Unterstützung von «gesundheitsverwandten» Dienstleistungen für schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen.
Kerala (Südindien)
Die Regierung Keralas hat 2008 eine Palliative Care Policy verabschiedet. Erklärtes Ziel ist es, gemeindebasierte Palliative Care mit wirkungsvoller Unterstützung durch die Gemeinden zu entwickeln. Das «Neighborhood Network in Palliative Care (NNPC)» entspricht diesem Ziel. In diesem Programm werden Freiwillige aus den lokalen Gemeinden darin ausgebildet, die Probleme der chronisch Kranken in ihrem Gebiet zu identifizieren und – mit Unterstützung eines Netzwerks von Fachleuten – zu intervenieren.
Pallium India
Quelle:
http://www.bag.admin.ch/themen/medizin/06082/06084/index.html?lang=de#